Marion W. (Buddy) Gray

Professor of History
& Gender and Women's Studies

Department of History 
Western Michigan University
Friedmann Hall 
Kalamazoo, MI 49008-5334/USA 
Tel: 269-387-4645, Fax: 269-387-4651 
E-mail: marion.gray@wmich.edu

english text
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Identitäten, Grenzen and Umwelt im Laufe der Zeit
im ländlichen Brandenburg und im großstädtischen Berlin

Exposé


Dieses Projekt ist eine vergleichende mikrohistorische Forschung über zwei Orte: das Brandenburger Dorf Schlalach und den Berliner Bezirk Steglitz. Das Projekt zielt darauf, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert zu schildern. Ich hoffe durch diese doppele Fallstudie zeigen zu können, wie menschliche Veränderungen der Landschaft die Kultur und die Gesellschaft prägten.


Etwa 65 Kilometer südöstlich von der Mitte Berlin liegt das Dorf Schlalach, mit einer Einwohnerschaft im 18. Jh. von weniger als 200 Menschen. Seine Bewohner beschafften ihren Lebensunterhalt aus dem Boden, leisteten unfrei Arbeitsdienst und zahlten Steuern in der Form von Agrarprodukten. Schlalach war ein Vorwerksdorf (eine Domäne) des preußischen Königs.


Zur gleichen Zeit hatte das Dorf Steglitz, das etwa 10 km südöstlich von der Mitte Berlins lag, insgesamt 81 Einwohner. Es gehörte zum herrschaftlichen Gut der Familie von Carmer. Seine Bewohner bebauten die Felder der Gemarkung und lieferten Steuern an die herrschaftliche Familie. Sie leisteten auch unfreie Arbeit dem Gutbesitzer. Wie in anderen Dörfern der Zeit war Steglitz eine relativ geschlossene landwirtschaftliche Gemeinde. Also hatten Schlalach und Steglitz am Anfang des 19. Jahrhunderts ähnliche Eigenschaften.


In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten diese beiden Dörfer, wie andere agrarische Bevölkerung in Deutschland, tiefgreifende Veränderungen. In einem langsamen Prozess der Landreform („Separationen“) wurden kommunale Wälder, Agraracker und Wiesen, sowie erbliche Höfe, in privates Eigentum umgewandelt. Die herkömmliche Dreifelderwirtschaft wurde aufgelöst und die Dorfeinwohner erhielten einheitliche Grundstücke. Man fing an, die Dorfbewohner als „Landwirte“ zu bezeichnen, anstatt Bauern.


Die beiden Orte begannen Mitte des Jahrhunderts radikal unterschiedliche Umwandlungen zu erleben, zum Teil aus geographischen Gründen. Steglitz befand sich auf der Hauptstraße zwischen Berlin und Potsdam. Als die Berlin-Potsdamer Eisenbahn um 1835 gebaut wurde, schnitten die Gleise mitten durch die ehemaligen Felder und Wiesen des Dorfes. Diese Entwicklung war Vorahnung der Zukunft. Ein explosives Bevölkerungswachstum erfolgte. Im Jahre 1919 hatte Steglitz mehr als 83.000 Einwohner. Seine dörfliche Eigenschaft wurde wegen städtischer Bauwerke, gepflasterter Straßen und anderer Infrastrukturen völlig ausgerottet. Steglitz wurde im Jahre 1920 ein Bezirk der Hauptstadt Berlin.


Schlalach im Gegensatz wuchs kaum in Einwohnerzahl im Laufe des 19. Jahrhunderts und behielt seinen ausschließlich landwirtschaftlichen Charakter. Trotzdem erlebten seine Umwelt und seine Wirtschaft tiefgreifende Veränderungen, wenn auch weniger sichtbar. Die Dorfbewohner lernten durch „wissenschaftliche“ Landwirtschaft und neue Technologien neue Produkte aus den sandigen Böden zu einbringen. Der einheimische Laubwald verschwand, zum Teil als Folge eines massiven Entwasserungprojekts, das die Wasserscheide der Nuthe und Nieplitz einschloss. Die Flora und die Fauna der Dorfgemarkung wurden weniger komplex.


Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten die Einwohner Schlalachs dramatische Transformationen der Ökologie und Gesellschaft, zumal durch die Kollektivwirtschaft des Lands in der DDR. Die Bewohner betrieben Landwirtschaft unter diesen Umständen bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Nach der Wende erhielten die Landwirte wieder Privateigentum. Neue Mobilität und neue wirtschaftliche Situationen nach 1990 beeinflussten die Ökologie und das Leben. Die naheliegende Autobahn und ein Gewerbegebiet, sowohl wie die Herausforderungen der landwirtschaftlichen Betriebe in der EG und in einem globalen Marktraum spielen wesentliche Rollen. Mache junge Leute verlassen das Dorf. Einige Berliner ziehen sich auf das Land und machen Schlalach den neuen Wohnsitz.


Während der letzten sechzig Jahre hatten die Einwohner von Steglitz ganz unähnliche Erfahrungen als die Schlalachs. Man musste in dem Berliner Bezirk die fast völlig zerstörte städtische Infrastruktur wiederaufbauen. Steglitz hatte aber den wirtschaftlichen Vorteil im westlichen Teil Berlins zu legen, wo man zum Teil durch den U.S.- Marshallplan, das „Wirtschaftswunder“ erlebte. Man musste sich mit den typischen Herausforderungen der verstädterten Umwelt beschäftigen, z.B. Abwasser- und Müllabfuhr, hohe Bevölkerungsdichte, Luft- und Wasserverschmutzung, und rege Verkehr.


Zwei Siedlungen die sich im 18. Jahrhundert ähnelten entwickelten sich völlig unterschiedlich während den folgenden 200 Jahren. Beide könnte man als typische Beispiele der Umweltveränderung in Deutschland betrachten. Meine Forschung zielt sich darauf, die anthropogen Umwandlungen der kulturellen Landschaft zu beschreiben. Ich habe die Absicht die Veränderung der Kultur und der Gesellschaft zu schildern, die Konsequenz der menschlichen Eingreifen in die Natur sind.